Aufgeschreckte Gesellschaft.
Kaviar bedeckte bis an den Rand die Toastscheiben, diese schnappten nach Luft unter der Kaviardecke. Champagnerperlen lösten sich eine nach der anderen von der Glaswand, stiegen tanzend wie Schneeflocken aber in entgegen­gesetzter Richtung an die Oberfläche wo sie einfach so daherplatzten und den Gästen den Gaumen kitzelten oder die Nasenspitze befeuchteten. Das Geschnatter, nicht von einer Gänseschar, sondern von sich zuredenden luftig gekleideten Damen und khakibetuchten Herren, in geschlechtersortierten Gruppen idealerweise, aus zwei bis fünf Dastehenden, die Köpfe etwas nach vorn und einander zugeneigt, die linke Hand greift das belegte Brötchen, die rechte umklammert das Glas, die Hände bewegen sich eins-zwei-eins-zwei,
nie gleichzeitig, das wäre eine Katastrophe, zum Mund hin, der das Geschnatter kurz anhält. Niemand ahnt es – aber aus Westen, wo die Sonne unterzugehen sich bemüht, bewegt sich eine Windhose, wer kennt ihren Namen, egal, sie schickt sich an, die Frisuren gleichzuglätten von Damen wie von Herren.

Aufgeschreckte Gesellschaft.
1993 / Pastellkreide und Bleistift auf Papier / 56 x 76 cm / LK0017-193114CX / zurück zur Übersicht